Internationale Solidarität statt Patriarchat und Nationalismus – Heraus zum Frauen*kampftag in Kiel

Women*s March Kiel – Internationaler Frauen*kampftag 2017

Mittwoch, 8. März 2017

16 Uhr / Bahnhofsvorplatz / Kiel

Ein breites Bündnis engagierter Feminist*innen, linker Gruppen und Initiativen, Institutionen, Einrichtungen und Vereinen ruft zum Women*s March Kiel auf.

Lasst uns zusammen auf die Straße gehen! Für eine solidarische Welt, in der alle Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer Herkunft, ihrer Identität, ihrem Glauben und ihrer sexuellen Orientierung uneingeschränkt gleichberechtigt zusam-menleben! Für eine Welt ohne Sexismus, sexualisierte Gewalt und Rassismus!

Mit unserem Women*s March Kiel reihen wir uns in die internationalen Proteste gegen patriarchale Gewalt und Nationalismus ein. Wir kämpfen für einen intersektionalen Feminismus. Wir haben uns, trotz aller Kritik über den Titel, für den Titel Women*s March entschieden, um zu zeigen, dass unsere Demonstration nicht alleine steht, sondern international Teil einer Bewegung ist. Die Gewalt eines Donald Trumps, die Gewalt eines Wladimir Putins, die Gewalt eines Recep Erdoğan, die Gewalt einer Marine Le Pen, die Gewalt eines Geert Wilders oder die Gewalt einer Frauke Petry und die Gewalt eines Björn Höckes, die alle Patriarchat, Sexismus, Homophobie, Transphobie, Rassismus und Nationalismus befördern, sind niemals getrennt voneinander zu betrachten. Ihre Gewalt ist international zu sehen und in ihrer Gesamtheit bedrohen diese Menschen und ihre Gewalt unser Leben und unser Zusammenleben.

Der Women*s March Kiel ist inspiriert vom Women’s March in Washington D.C. Dort haben viele Größen des US amerikanischen Feminismus gesprochen. So z.B. Angela Davis. Angela Davis appellierte beim Women’s March in Washington D.C. ebenfalls für einen intersektionalen Feminismus. Women*s March soll also auch in Kiel nicht nur „Frauen“ meinen. Women*s March Kiel meint Schwarze, POC und weiße Frauen/Lesben/Trans/Inter*.

Der Women*s March Kiel ist FLTI* organisiert. Uns ist es wichtig, dass unsere cis-männlichen Freunde und Genossen uns unterstützen, wir bitten jedoch um Zurückhaltung. Der erste Block wird FLTI* sein und auch der Lautischutz. Außerdem werden nur FLTI* Reden halten beim Women*s March in Kiel.

Der Women*s March Kiel soll von gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Anerkennung geprägt sein. Bitte achtet aufeinender und passt aufeinander auf.

Lasst uns gemeinsam kämpfen für internationale Solidarität statt Patriarchat und Nationalismus!

Zum Women*s March Kiel rufen auf: Frauenhaus Kiel, Petze-Institut für Gewaltprävention, Autonome Antifa Koordination Kiel, Kurdistan Solidaritäts-Komitee Kiel, AStA der CAU, Kreisverband Die Linke, SKB (Bund sozialistischer Frauen), Bündnis 90/Die Grünen Schleswig-Holstein , Juso Hochschulgruppe, Jusos SH, Subvertere Kiel, Antifa Neumünster, queer Referat der FH Kiel, laDIYfest Kiel, Gleichstellungsbüro der Stadt Kiel, Linksjugend Solid, Popshop Kiel, Gleichstellungsbüro der FH Kiel, nara – netzwerk antirassistische aktion kiel, ZBBS e.V., FLTI*Party Kiel, Grüne Jugend, SiSTERS – Frauen für Afrika, Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein e.V.

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NO TRUMP – NO AFD – NO FASCIST PATRIARCHY.

Heraus zum internationalen Frauen*kampftag in Kiel!

Seit der erstmaligen Ausrufung eines internationalen Kampftags durch die sozialistische Frauenbewegung im Jahre 1910 gehen weltweit jährlich Millionen Frauen* und ihre Verbündeten gegen patriarchale Ausbeutung, Unterdrückung und Gewalt auf die Straße. In diesem Jahr wird es in Anbetracht des vielerorts vor unseren Augen stattfindenden Gegenangriffs patriarchaler Kräfte auf die Errungenschaften kämpfender Frauen* in Form der global erstarkenden rechten, nationalistischen, fundamentalistischen und autoritären Bewegungen und Regime umso wichtiger sein, dieser Welt am 8. März den überall existierenden anti-patriarchalen Widerstand zu demonstrieren. Bezugnehmend auf die breite Massenbewegung, die sich unter feministischen Vorzeichen gegen den Wahlsieg des durch ausgewiesene Neo-Faschisten politisch angeleiteten „Sexisten, Rassisten und durch Ausbeutung und Spekulation reich gewordenen Vergewaltiger[s] Donald Trump“ (Lower Class Magazine) zunächst in den USA gebildet hat, wird deshalb an diesem Tag auch in Kiel ein Women*s March stattfinden. Auch wir rufen alle Frauen* und an ihrer Seite kämpfenden solidarischen Menschen, die sich dem patriarchalen Rechtsruck entgegen stellen wollen, dazu auf, sich an dieser Demonstration unter dem Motto „Internationale Solidarität statt Patriarchat und Nationalismus“ durch die Kieler Innenstadt zu beteiligen.

Trump Is Everywhere: Die Angry White Men lassen die Masken fallen

Denn das, was in den USA derzeit Millionen Menschen nachhaltig in Bewegung versetzt hat, ist eine Entwicklung, die sich seit Jahren auch in Europa vollzieht. Die europaweit durchgesetzte materielle und geistige Verstümmelung der Gesellschaften durch die neoliberale Politik und Ideologie, die durch die seit 2008 andauernde Weltwirtschaftskrise noch beschleunigt wurde, hat im Zuge der damit einhergehenden realen und imaginierten sozialen Verunsicherungen Monster politisch salonfähig gemacht: Strache, Wilders oder Le Pen trachten nach den Regierungsämtern, Orbán und der Kaczyński-Zögling Duda haben diese längst inne. Gemeinsam ist ihnen – in unterschiedlichen Ausprägungen – nicht nur ein vor allem gegen Geflüchtete und Muslime gerichteter Rassismus, die Naturalisierung des kapitalistischen Konkurrenzkampfes und ein aggressiver Nationalismus, sondern auch ein expliziter Anti-Feminismus. In ihren Parteien tummeln sich AbtreibungsgegnerInnen und christliche FundamentalistInnen und ihre Ideologie baut auf der heterosexuellen Zweigeschlechtlichkeit und der bürgerlichen Familie als Fundament national abgeschotteter bis völkisch verfasster Gesellschaftsentwürfe auf. Ihr Hass richtet sich gegen alle, die die daraus erwachsenen sozialen Ungleichheiten, Zwänge, Ausschlüsse und Diskriminierungen zu überwinden versuchen. Dass auch Frauen zum Führungspersonal dieses rechten Aufbruchs gehören, darf nicht über ihren im Kern patriarchalen Charakter und die Dominanz ihrer Reihen durch Weiße Männer hinwegtäuschen.

In Deutschland ist es derzeit vor allem die AfD, die sich als parlamentarische Vertreterin der anti-egalitären Wut auf den Straßen, an den Stammtischen und in den sozialen Medien etabliert hat. Sie hat derzeit zwar (noch) keine Aussicht gesicherte auf Regierungsbeteiligungen, ihr gelingt es jedoch teils mit spürbarem Erfolg, den öffentlichen Diskurs durch gezielte Tabubrüche nach rechts zu verschieben. Sie dient den etablierten Parteien der sogenannten Mitte als Stichwortgeberin nicht nur bei der allgegenwärtigen Angstmache und Hetze gegen Geflüchtete, sondern auch gegen politische, akademische oder pädagogische Initiativen, die die strukturelle Benachteiligung von Frauen* oder die Ausgrenzung von im herrschenden Geschlechterverhältnis traditionell ausgeblendeten sexuellen Identitäten abbauen wollen. Führende Köpfe der AfD, insbesondere Beatrix von Storch, sind DrahtzieherInnen hinter anti-feministischen, Frauen*entmündigenden und homo-feindlichen Aufmärschen wie der „Demo für Alle“ oder den „Marsch für das Leben“.

Jin, Jiyan, Azadi – Frau*, Leben, Freiheit

Aber nicht nur in den Staaten Europas und Nordamerikas, den zunehmend krisengeschüttelten Zentren der kriegerisch durchgesetzten globalen Ausbeutung, versuchen die Weißen, reichen und/oder männlichen Profiteure der kapitalistischen Weltordnung durch die Stärkung patriarchaler „Sicherheiten“ das Bestehende zu stabilisieren. Auch dort, wo man sich bei der Aufteilung der Welt zuletzt hinten anstellen musste oder wo die imperialistischen Beutezüge das soziale Gefüge nachhaltig zerstört haben, dienen patriarchale Versprechungen und Organisationen als Fundament einer zutiefst reaktionären und entfremdeten Rebellion gegen die real existierende Brutalität kapitalistischer Unterwerfung. In Russland oder der Türkei sind es die starken, wenn auch komplex-beladenen Männer Putin und Erdogan, unter deren Führung und gestützt auf gesellschaftliche Mehrheiten und staatliche Repression nationalistisch aufgeladene und gleichgeschaltete diktatorische Regime installiert werden. Eine Inkarnation politischer Männerphantasien auf Kosten aller, die dabei heraus fallen, nicht mitmachen wollen oder sich ihrer zugewiesenen Position widersetzen.

In Syrien, im Irak oder Nigeria haben dschihadistische Milizen wie der selbsternannte „Islamische Staat“ (IS) oder „Boko Haram“ in den von ihnen kontrollierten Gebieten fundamentalistische Terrorherrschaften errichtet, in denen Frauen* systematisch verschleppt, versklavt, vergewaltigt und ermordet werden. Nicht selten sind es marginalisierte Männer, die sich dem fundamentalistischen Todeskult anschließen, um die Demütigungen, die ihnen selbst durch Rassismus, Perspektivlosigkeit, Krieg und Armut zugefügt wurden, im Gewaltexzess im Namen Gottes hinter sich zu lassen. Die Erniedrigung insbesondere von Frauen* und die hinterlassene Spur der Verwüstung lässt sie so die benötigte Macht zumindest punktuell erobern, die ihnen innerhalb der bestehenden globalen Hierarchien vorenthalten ist und die sie in der patriarchalen Rangordnung erst zu vollwertigen Männern werden lässt.

Ausgerechnet im Zangengriff des IS auf der einen Seite und dem religiös-autoritären türkischen AKP-Regime auf der anderen, widersteht im syrisch-kurdischen Rojava und im kurdischen Südosten der Türkei eine bewaffnete Massenbewegung seit Jahren dem Zugriff der Kriegsparteien des Patriarchats. Die kurdische Befreiungsbewegung besteht in Theorie und Praxis auf die gleichberechtigte Beteiligung von Frauen* und Männern* an allen Bereichen des politischen und militärischen Kampfes, genauso wie der gesellschaftlichen Organisation. Die seit mindestens 5000 Jahren andauernde männliche Herrschaft wird als erste Klassengesellschaft, in der die Unterwerfungslogik der kapitalistischen Ökonomie schon Jahrtausende vor ihrem zerstörerischen Siegeszug vorweggenommen wurde, sowie als Ursprung des Krieges, der zerstörerischen Ausbeutung der Natur sowie der geschlechtsspezifischen Entfremdung begriffen. Folglich zielt das seit über drei Jahren bestehende basisdemokratische Rätesystem in Rojava nicht nur auf die gleichberechtigte Teilhabe der Geschlechter und die Ermächtigung von Frauen* durch eigenständige Organisierungsformen ab, sondern versucht, mit der tradierten patriarchalen Verfasstheit des sozialen Miteinanders radikal zu brechen: Das Primat der Kollektivität wird der Konkurrenz entgegengestellt und die Vielfältigkeit der Gesellschaft wird geschützt durch das Recht aller gesellschaftlichen Gruppen, sich autonome Strukturen zu schaffen. Der Aufbau der gesellschaftlichen Verwaltung bricht mit der staatlichen Logik der Herrschaft und verläuft ihrer Hierarchie nach von unten nach oben. Die Bildung und Politisierung der gesamten Bevölkerung ist die Basis der Selbstverwaltung und die Natur wird als die Voraussetzung menschlichen Lebens, nicht als zu bändigender Feind aufgefasst. Die Waffen dienen der Selbstverteidigung und nicht der Unterwerfung und Eroberung anderer. Mit diesen Prinzipien hat die kurdische Bewegung und ihr voranschreitend die Frauen*bewegung, ein zartes, wenn auch permanent bedrohtes Pflänzchen der Hoffnung in die Welt gesetzt. Dieses sollte von feministischen, genauso wie von allen anderen auf menschliche Befreiung abzielenden Bewegungen als Inspirationsquelle und als Orientierungspunkt der eigenen Politik ernst genommen und verteidigt werden.

A Woman’s Place Is In The Revolution

Wollen feministische Bewegungen also nicht nur die Türöffnerin zur Karriere in der Männerwelt für eine Minderheit privilegierter Frauen* in den kapitalistischen Zentren sein, sollten sie sich davor hüten, die Spielregeln des Patriarchats bei dem ohne Zweifel notwendigen Kampf um gleiche Teilhabe zu übernehmen. Denn nicht in den Chefetagen, nicht bei der Bundeswehr und nicht in den Regierungsvierteln findet sich der Schlüssel zur sozialen Emanzipation vom Patriarchat, sondern im alltäglichen Kampf um Freiheit und sexuelle Selbstbestimmung von Frauen*, gegen Herrschaft über Frauen* in der patriarchalen Institution der Ehe, gegen die Entwertung ihrer Arbeit der Reproduktion als auch in der patriarchal-kapitalistischen Logik von niedrig entlohnten Frauen*arbeitsbereichen, gegen Krieg als entfesselte Gewalt gegen Frauen* und alles Leben, gegen staatliche Repression sowie in der organisierten Selbstverteidigung und Selbstermächtigung von Frauen* gegen die Gewalt der Männer. Nehmt ihnen die Waffen und teilt mit ihnen die Versorgung der Kinder, Alten, Kranken und Hilfebedürftigen wie auch die Kochlöffel und Putzlappen!

Unsere Schwestern heißen nicht Hillary oder Madonna, sondern sind die vielen namenlos gebliebenen Kämpferinnen* für Frauen*befreiung, die z.B. 1871 die Pariser Commune zum Leben erweckten, die am 8. März 1917 die Russische Revolution auslösten, die 1936 in Barcelona mit bloßen Händen die Putschisten entwaffneten, die sich in den 1960ern als Black Panther gegen rassistische Unterdrückung in den USA organisierten oder die heute in Rojava das Patriarchat aus den Angeln heben und sich gegen mörderische Männerbanden verteidigen. Lasst uns Strukturen eines solidarischen und militanten Alltags aufbauen, die uns von der patriarchalen Zurichtung des sozialen Miteinanders befreien und es uns ermöglichen, von gedemütigten Frauen* und sozial deformierten Männern* zu autonomen Individuen zu werden, die selbstbestimmt und auf Augenhöhe zusammen leben, arbeiten, lernen, lieben und kämpfen. Lasst uns nicht weniger als die vollkommene Emanzipation der Menschheit von Herrschaft, Ausbeutung und Unterdrückung fordern, aber als deren Voraussetzung niemals die Vollkommenheit unserer Genoss*innen verlangen. Und lasst uns die Triebkräfte des patriarchalen Rechtsrucks und die Verwalter*innen der patriarchalen Welt, überall wo sie sich formieren bzw. ihre Herrschaft zelebrieren, mit unserem unversöhnlichen Widerstand konfrontieren. Wir sehen uns in den kommenden Monaten immer dort, wo die AfD versucht in den gerade beginnenden Wahlkämpfen ihre chauvinistische Hetze unter die Leute zu bringen, und im Juli dann unter den streitbaren Massen, die sich den Trumps, Putins, Erdogans, Merkels und ihrer Welt der Monster beim G20 Gipfel in Hamburg entgegenstellen werden. Und natürlich am 8. März 2017 beim Women*s March für internationale Solidarität gegen Nationalismus und Patriarchat in Kiel!

Unser Antifaschismus ist feministisch – unser Feminismus ist revolutionär!

No Patriarchy At All: Die HERRschende Weltordnung und ihre Fans angreifen!

Autonome Antifa-Koordination Kiel | Kurdistan Solidaritätskomitee Kiel

www.antifa-kiel.org | kurdistansoli.noblogs.org

(* Wir haben die Begriffe „Frau“ und „Mann“ in unserem Text mit Sternchen markiert. Damit möchten wir darauf hinweisen, dass es unterschiedliche Identitätskonzepte von Weiblichkeit und Männlichkeit sowie Menschen gibt, die sich nicht in der Zweigeschlechtlichkeit wiederfinden. Zugleich ist Zweigeschlechtlichkeit als soziales Verhältnis wirkmächtig und muss benannt werden. Die Begriffe „Frau“ und „Mann“ bezeichnen nichts Natürliches, sondern sind Positionen in diesem Verhältnis. In Fällen in denen Personen benannt sind, deren resktionäre Ideologie ausdrücklich keine solche Ausdifferenzierung von Identitäten zulassen, haben wir auf diese Markierung teilweise verzichtet. Wenn dieser Spagat nicht in allen Fällen gelungen sein sollte, bitten wir dies zu entschuldigen.)

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